Pflege am Patienten

Mehr Lohn für Corona-Helden

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Pflege, Medizin und Handel verdienen mehr Anerkennung als stupides Klatschen von Balkonen und aus dem Bundestag: Sie verdienen endlich eine faire Bezahlung.

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Für gute Arbeit bekommt man eine faire Entlohnung. In dieser unsäglichen Pandemie zeigt sich: Mehr als Klatschen ist wohl nicht drin.

Zeigte sich im Frühjahr 2020 zumindest kurzzeitig Respekt für die Leistungen der „Helden des Alltags“, in dem man allabendlich vom Balkon applaudierte, ist heute nichts mehr davon übrig. Selbst die Bekundungen der Kanzlerin inklusive Gesten des Respekts im Bundestag, als man Aufstand und auch dort applaudierte, klingen mittlerweile wie blanker Hohn.

Denn, den vollmundigen Versprechungen, Pflegekräften einen Corona-Bonus zu zahlen, folgten keine Taten, sondern wenn über „Tätchen“. Geschickt wurden die Gesetze so ausgelegt, dass nur ein bestimmter Teil der Pflege- und Einzelhandel-Angestellten vom Bonus profitierte, natürlich nicht steuerfrei.

Der neuste Hammer offenbarte nun die Bertelsmann-Stiftung. Nach ihrer Studie bleiben Einzelhandel, Gesundheit und Soziales mit real zwischen 2000 und 2500 Euro monatlich auch im Jahr 2025 deutlich unter dem Durchschnittslohn.

Mehr noch: Der Anstieg des Gehalts wird durch die Inflation vollständig aufgefressen, sodass sogar, nach heutigem Stand, Einkommensrückgänge drohen.

Offenbar ist die Arbeit am und für den Menschen in Deutschland nichts wert. Jede fünfte alleinerziehende Frau arbeitet in einem Gesundheitsberuf. Die oft prekäre Lage dieser Frauen wird dadurch weiter verschärft, die Klippe zwischen „arm und reich“ driftet weiter auseinander.

Die Nachfrage nach Gesundheits- und Sozialdienstleistungen wird durch die alternde Gesellschaft weiter ansteigen, durch das unzufriedenstellende Gehalt verhindert man, genügend Nachwuchs in diesem Beruf zu finden. Dass selbst die schlimmste Gesundheitskrise seit dem zweiten Weltkrieg nicht einmal ein Umdenken in Politik und Wirtschaft hervorruft, sollte zu denken geben.

Die besagte Bertelsmann-Stiftung schlägt vor, die Produktivität durch moderne Technik zu steigern. Da ist etwas Wahres dran: Papierkram, alte Technik und umständliche Prozesse bremsen die Arbeit aus.

Aber es fehlt auch eine anständige gewerkschaftliche Organisation. Den Beschäftigten in Pflege, Medizin und Einzelhandel fehlt oft die notwendige Durchschlagskraft, um etwas zu bewirken.

Statt ständig auf das Gejammere der großen Träger und Arbeitgeber zu hören, die Gelder durch fehlerhafte Entscheidungen verbrennen, sich selbst oftmals die Taschen dermaßen vollstopfen, als gäbe es kein Morgen mehr, sollte endlich wieder in das größte Kapital in seinem Unternehmen investiert werden: In fähige Mitarbeiter, die für gute Arbeit fair bezahlt werden.

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