Frau mit Maske wird geimpft

BioNTech-Impfstoff: Zahlreiche Länder impfen, nur Europa muss noch warten

Bereits gestern berichteten wir über das Versagen in der deutschen Corona-Politik. Heute widmen wir uns der EMA, der Europäischen Arzneimittel-Agentur, die den BioNTech-Impfstoff zur Benutzung freigeben muss. Diese Zulassung dauert offenbar noch bis Jahresende, weswegen die EU-Länder weiter warten müssen.

In Großbritannien wurde vor rund einer Woche bereits die Erste Patientin, eine 90-Jährige, mit dem in Deutschland entwickelten Impfstoff geimpft. Seit heute wird der Impfstoff auch in den USA eingesetzt. Auch Kanada, Saudi Arabien, Isreal und Bahrain haben dem Impfstoff aus Deutschland bereits die Zulassung erteilt.

Die EU hingegen lässt weiter auf sich warten. Am 29.12.2020 soll der Impfstoff in der EU zugelassen werden, vorher wolle man noch weitere Daten analysieren, heißt es. Noch am 10. November erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass er „es als deutscher Gesundheitsminister nur schwer erklären könnte, wenn in anderen Regionen der Welt ein in Deutschland produzierter Impfstoff schneller verimpft würde als in Deutschland selbst“.

Heute muss er genau das erklären, wie ein Blick auf die Impfkarte zeigt. Dies schmeckt auch dem Gesundheitsminister nicht. Deswegen erhöht er den Druck auf die europäische Behörde, in dem er sagt, dass ein nationales Zulassungsverfahren in Deutschland schneller gehen würde und ab 15. Deutschland bereit zur Verimpfung des BioNTech-Impfstoffes sei.

Hierzu muss man wissen: Alle EU-Länder verlassen sich auf das Zulassungsverfahren der EU durch die EMA, könnte aber Notfallzulassungen in Eigenregie erteilen.

Weshalb andere Länder schneller die Zulassung erteilt haben als die EU, ist unklar. Einerseits heißt es, die Behörde sei einfach zu langsam. Andererseits gelten die Zulassungsprüfungen als zuverlässig und gründlich.

Die EMA prüft derzeit die Daten der BioNTech-Studie erneut, also quasi in einer „Extra-Schleife“. Laut SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und Wirtschaftsprofessor Paul Welfens (Uni Wuppertal) kostet diese Extra-Schleife Menschenleben. Welfens spricht von mehr als 20.000 Personen, die sterben würden, da der Impfstoff zu spät zugelassen wird.

Auch Jens Spahn räumte ein: „Jeder Tag, an dem wir früher mit dem Impfen beginnen werden, wird Leid mildern“.

Doch die erneute Prüfung hat auch Vorteile: Man wird sicherlich bereits erste Ergebnisse und Reaktionen auf den Impfstoff aus anderen Ländern bekommen und mit in die Prüfung einfließen lassen.

Menschen müssen dem Impfstoff vertrauen. Dieses Vertrauen wächst nur, wenn der Impfstoff sorgfältig geprüft wurde, was aufgrund der Schnelligkeit in der Entwicklung an ein Wunder grenzt.

Bei der Zulassung eines Impfstoffs müssen wissenschaftliche Kriterien immer den wirtschaftlichen Interessen übergeordnet sein. Ob dies in Großbritannien und den USA der Fall war, ist nicht sicher. Boris Johnson steht in seinem Land massiv unter Druck, auch weil er selbst in der Corona-Pandamie nicht immer die beste Figur abgab. Ähnlich geht es Trump in Amerika. Dort infizieren sich täglich zwischen 200.000 und 300.000 Menschen und tausende sterben an oder mit dem Virus.

Wir sollten uns noch einige Tage gedulden, die Zulassung abwarten und dann sorgfältig mit der Impfung beginnen. Und dennoch: Es wäre schön, wenn die EMA in diesem Zusammenhang transparenter kommunizieren würde.

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